Spachteln & Schleifen


Unter "Spachteln" verstehen wir im Modellbau das Verfüllen von unerwünschten Fugen und Zwischenräumen von verklebten Teilen sowie das Verfüllen von Sinkstellen und Löchern auf der Oberfläche. Ebenso kann durch "Aufspachteln" Formfehler korrigiert oder auch eine Formgebung bestimmter Flächen oder Formen erreicht werden. Das Schleifen selbst schließt sich dem Spachteln immer an um das aufgebrachte Spachtelmaterial "in Form" zu bringen und Oberflächen zu glätten.

Zu diesem Thema wollen wir nun folgende Punkte genauer betrachten :

1. Spachteln - Mit Was ?
2. Aufbringen des Spachtelmaterials
3. Verschleifen des Spachtelmaterials
4. Überprüfung des Ergebnisses
5. Glättung von Oberflächen

1. Spachteln - Mit Was ?

Im Handel erhältlich sind im allgemeinen die Spachtelmassen von Revell und Italeri . Weiterhin gibt es im Modellbauhandel auch Spachtelmasse von Tamiya und eine ganze Reihe von Zweikomponenten-Spachtelmassen

Plasto von Revell
Putty von Italeri
Spachtelmasse von Humbrol
Flüssigspachtel von Gunze Sangyo - dazu der passende Verdünner womit die Konsistenz des Spachtels noch flüssiger gestaltet werden kann
Zweikomponentenspachtel von Miliput

Des weiteren sind auch flüssige und halbflüssige (Gel) Sekundenkleber als Spachtelmasse praktikabel und können gut eingesetzt werden. Der Vorteil liegt hierbei in der schnellen Aushärtung , dem guten Fliesverhalten von flüssigen Sekundenkleber in kleinste Ritzen und Löcher sowie die gute Gravierbarkeit.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Selbstherstellung von Spachtelmasse : Hierzu löst man Späne von Gußästen oder anderen Plastikmaterial in flüssigen Klebstoff auf. Dies ist vor allem bei späteren Gravierarbeiten von Vorteil da es hier keinen Unterschied in der Härte der Materialien gibt.

An Werkzeugen benötigen wir beim Spachteln selber lediglich Spachtelwerkzeuge die wir uns  - je nach Grösse und Beschaffenheit der Spachtelarbeit - selbst aus angeflachten Zahnstochern oder zurechtgeschnittenen Plastikstreifen erstellen oder einen entsprechenden Pinsel.

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2. Aufbringen des Spachtelmaterials

Benutzen wir Plasto oder Putty kneten wir zunächst die Tube im geschlossenen Zustand kräftig durch um das vorhandene Lösungsmittel gut mit der eigentlichen Spachtelmasse zu vermischen. Nun geben wir eine nicht zu grosse Menge auf eine später nicht benötigte Fläche wie ein Stück Papier oder auch einen Kronverschluss. Nun rühren wir die Masse nochmals mit einem Holzstocher gut durch. Flüssigspachtel schütteln wir kurz vorher kräftig durch. Zweikomponentenspachtel werden in dem auf ihrer Verpackung angegebenen Mischungsverhältnis angemischt  - natürlich immer nur soviel wie schätzungsweise in der Verarbeitungszeit verarbeitet werden kann. Nun kann die Spachtelmasse aufgetragen werden. Dazu benutzen wir das bereits beschriebene Spachtelwerkzeug.
Dabei wird soviel aufgetragen das bei einer Fuge die Spachtelmasse noch leicht über den Rändern steht. Auf angrenzende Flächen die miteinander angepasst werden sollen wird ebenfalls eine entsprechende Menge und Stärke Spachtel aufgetragen.
Hierbei muss aber beachtet werden das man auch nicht zuviel Spachtelmasse in der Dicke aufträgt - der Trocknungsvorgang würde zu lange dauern und außerdem können durch zuviel Spachtelmasse die Betreffenden Plasteteile sich verziehen oder im schlimmsten Fall auch teilweise aufgelöst werden. In solchen Fällen wiederholt man das auftragen der Spachtelmasse nachdem der erste Auftrag getrocknet ist. Bei Sekundenkleber und Flüssigspachtel gehen wir genauso vor , bei letzterem aber benutzen wir zum Auftragen einen Pinsel. Um angrenzende Flächen die nicht von Spachtelmasse beeinträchtigt werden sollen vor dieser zu schützen (zB. Klarsichteile) können diese vor dem auftragen der Spachtelmasse maskiert werden. Damit schützt man solche Flächen auch vor dem späteren verschleifen.

Um das Ganze besser zu verdeutlichen hier 2 Beispiele an typischen Problemstellen.

Beispiel 1
Verspachteln einer großen Fuge zwischen zwei schlecht passenden Bauteilen mit Italeri Putty - Spachtel aus der Tube.

Diese beiden mit den Pfeilen gekennzeichneten Spalte sollen beseitigt werden
Zunächst wurde mit einfachen Paketklebeband die in der unmittelbaren Nähe befindlichen Nietreihen maskiert um sie vor Spachtelmasse und Schleifarbeiten zu schützen
Nun wird die Spachtelmasse mir einem Zahnstocher durchgerührt
Das Auftragen der Spachtelmasse erfolgt mit einem flach angespitzten Zahnstocher. Dabei soll die Spachtelmasse in die Fuge richtig hineingedrückt werden
Der Spachtelauftrag ist beendet - Die Spachtelmasse ist höher als die Modelloberfläche und über die Fugenränder hinaus aufgetragen. Nun sollte die Spachtelmasse einen Tag durchtrocknen.

Beispiel 2

Verspachteln von Fehlern an einem Treibstofftank mit Flüssigspachtel von Gunze Sangyo

Diese Fehler sollen beseitigt werden : 
1= Sinkstelle
2= Spalt in der Klebenaht


 

Die Sinkstelle wurde mit Putty von Italeri satt verfüllt. Der Flüssigspachtel wird nun mit einem Pinsel wie Farbe aufgetragen. Dabei ist zu berücksichtigen das dieser Spachtel auf rund seiner Konsistenz in dem Spalt nachsinkt und der Auftrag so lange und so oft wiederholt werden muss bis ausreichend Spachtel aufgetragen wurde.
Die Pfeile kennzeichnen die Stellen wo nach dem ersten Auftrag die Spachtelmasse soweit nachgesunken ist das ein weiterer Auftrag erforderlich ist. Bis zum nächsten Auftrag lassen wir jedoch ca. 30min. Trockenzeit verstreichen
Der fertig verspachtelte  Tank

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3. Verschleifen des Spachtelmaterials

Bei dem verschleifen das Spachtelmaterials geht es nun darum allen überflüssigen Spachtel zu entfernen, die Oberfläche des Spachtels zu glätten und die Flächen der angrenzenden ungespachtelten Flächen an die gespachtelte Fläche anzugleichen.
Je nach Größe und Stärke der Spachtelfläche beginnen wir mit entsprechenden groben Schleifpapier. Bei normalen Spachtelmassen ist das in der Regel 600er Körnung, bei harten Spachtel wie Sekundenkleber aber kann man durchaus auch mal mit 280er Körnung beginnen. Das Ganze wird dann in Stufen bis zur 800er oder 100er Körnung fortgesetzt. Es nutzt dabei nichts auf ein Schleifdurchgang mit 400er Körnung etwa einen Durchgang mit 100er Körnung folgen zu lassen. Die Abstufung sollte sich in etwa so fortsetzen : 400er - 600er - 1000er Körnung.

Das Verschleifen sollte immer unter Zugabe von Wasser erfolgen ( Schleifpapier in Wasser tunken) damit sich das Schleifpapier nicht mit dem abgeschliffenen Material zusetzt und so seine Wirkung verliert.
Um das  zu veranschaulichen machen wir wieder mit unseren beiden Beispielen weiter.

Im linken Bereich der Spachtelstelle wurde mit 600er Schleifpapier verschliffen. Die Schleifrichtung dabei ist horizontal und kreisförmig.
Die gesamte Spachtelstelle ist nun mit 600er Schleifpapier verschliffen wurden. Dabei wurden die angrenzenden ungespachtelten Flächen mit verschliffen.
Nun wird das Klebeband entfernt damit im nächsten Schleifdurchgang mit 1000er Körnung der gespachtelte Bereich an die angrenzenden Flächen angepasst werden kann.
In der Mitte unsers Tanks wurde ebenfalls mit 600er Schleifpapier in kreisförmigen Bewegungen der Schleifvorgang begonnen.
Der gesamte Bereich ist mit 600er Schleifpapier verschliffen. Hier wurde fast die gesamte Oberseite des Tanks mit einbezogen um die gleichmäßige Krümmung zu erhalten.
Auf dem Durchgang mit der 600er Körnung ist nun komplett ein Durchgang mit 1000er Körnung gefolgt. Übergänge von der einen zur anderen Hälfte sind nicht mehr zu erkennen, alle Fugen sind verschlossen.

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4. Überprüfung des Ergebnisses

Nach dem erfolgten verschleifen der gespachtelten Fläche sollte diese überprüft werden. Die sicherste Methode ist dazu das lackieren der verschliffenen Fläche . Dies kann zunächst mit normaler Farbe und mit Pinsel erfolgen. Die Farbe wird dabei nicht zu dick aber deckend aufgetragen. Nun sollte die Farbe zunächst völlig durchtrocknen. Dann kann unter verschiedenen Blickwinkeln die Sichtkontrolle erfolgen. Nun erkennt man auch relativ kleine Fehler und Unebenheiten. 
Nun erkannte Fehler sollte man nicht gleich neu verspachteln - oftmals ist das bloße verschleifen der aufgetragenen Farbe ausreichend - man benutzt die Farbe sozusagen als feinen Spachtel. Nach den verschleifen der Farbe sind weitere Fehler an glänzenden Farbflächen erkennbar - das sind Stellen die zu tief liegen und das Schleifpapier deshalb hier nicht die Oberfläche erfassen konnte. Hier muss nun nochmals fein nachgespachtelt werden, ebenso an erkennbaren feinen scharfen Kanten zwischen Spachtel, Farbe oder Plaste.

Kontrolle an Beispiel 1 :

Die verschliffene Spachtelstelle wurde lackiert. Die Sichtkontrolle unter verschiedenen Blickwinkeln ergab keine weiteren Fehler.
Die aufgetragene Farbe wir nun nochmals mit 1000er Schleifpapier verschliffen - eine spätere Lackierung wird in diesen Bereich keine Übergänge mehr aufweisen
Kontrolle an Beispiel 2 :
Der Farbauftrag zeigt Unebenheiten an den gekennzeichneten Flächen auf.
Nach dem verschleifen der Farbe verbleibt nun noch eine kleine Unebenheit - hier muss der Spachtelvorgang nochmals wiederholt werden.

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5. Glättung von Oberflächen

Das Glätten - oder besser Polieren - der Modelloberfläche ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung zu endgültigen Lackierung. Besonders wichtig ist das richtige Polieren der Modelloberfläche bei Metalllackierungen. Vorrausetzung ist zunächst das alle Übergänge sowie gespachtelten Bereiche und Klebenähte bereits sauber verschliffen sind. Die fertig verspachtelt und verschliffenen Oberflächen, aber auch die unbearbeiteten Oberflächen sollten zunächst grundiert werden. Hierzu eignet sich ein normaler Enamel - Auftrag . Der Farbton richtet sich dabei nach der endgültigen Lackierung : für alle helleren Oberflächen ist auf jeden Fall ein heller Grauton vorteilhaft. Um Fehler besser auffinden zu können ist ein glänzende Oberfläche von Vorteil. Die Grundierung sollte vollkommen durchgetrocknet sein. Nun erfolgt ein flächiges überschleifen der Oberfläche mit 1000er Nassschleifpapier. Nach Möglichkeit sollten die Oberflächen nun mit Wasser abgespült oder mit einem feuchten, fusselfreien Tuch gereinigt werden. Nun kann eine weitere Behandlung mit 1500er Nassschleifpapier oder noch feineren speziellen Poliertüchern erfolgen. Eine weitere Möglichkeit des Polierens besteht in der Verwendung von Zahnpasta als Schleifmittel.
Wichtig ist hierbei das die Oberflächen bereits eine gewisse qualitative Güte vor dem Polieren haben - das polieren von Kratzern oder Rillen oder schlecht verschliffenen Spachtelstellen bringt außer Einbildung gar nichts. Es nützt einfach nichts wenn man die Fläche zwischen zwei feinen Kratzern poliert - die Kratzer sind trotzdem noch da ! Sehr deutlich wird das bei Metalllackierungen mit hochwertigen Farben wie Testors Metalizer oder Alcad II. Vor allem die Allcad II hat die schöne (oder unliebsame ...) Eigenschaft kleinste Unebenheiten und Fehler regelrecht zu verstärken.
Um diese Problematik besser zu verdeutlichen betrachtet Euch folgende Skizzen :

Der stark vergrößerte Querschnitt einer Modelloberfläche mit Spachtelstelle, Gravur und Kratzern. Die rote Linie bezeichnet die ideale Oberfläche. Würde man diese Oberfläche nur polieren würden die eigentlichen Mängel nicht entfernt, die Oberfläche und die Spachtelstelle lediglich glänzen.
Die Oberfläche wird deshalb nun erst mal mit 1000er Nassschleifpapier überschliffen. Damit werden die groben Fehler beseitigt. Eine solche Fläche ist durchaus ausreichend für einen normalen Farbauftrag.
Würde man diese Fläche nun noch polieren würde eine insgesamt bessere Oberfläche entstehen bei der noch weitere kleine Fehler beseitigt sind.
Für eine vollkommen ideale Oberfläche würde man also nochmals mit feinsten Schleifpapier (1500er) verschleifen und dann nochmals mit Poliertüchern oder Zahnpasta polieren um kleinste Fehler zu entfernen. Ein solches Ergebnis ist ideal für ein gekonntes Metallfinish !

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Arne Goethe