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RNAS Culdrose Airday 2011
20.07.2011 RNAS Culdrose (England)
Text und Bilder Kai Röther

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Wie so viele machte auch ich mich mit meiner Familie Mitte Juli auf, um die schönste Zeit des Jahres zu genießen,
den Urlaub. Dieses Jahr sollte es in den Südwesten Englands gehen - Cornwall. Ca. 50 km vom Zielort
entfernt stand am Straßenrand ein kleines unbedeutendes Schild mit dem Hinweis: RNAS Culdrose Airday 2011.
Man führte also ein Luftfahrtveranstaltung durch. Da ich mit Familie unterwegs war, schenkte ich
dem allerdings ersteinmal keine weitere Beachtung. Ein paar Tage später führte uns der Weg zum wirklichen
südlichsten Zipfel Englands (Lizard) genau an besagter Royal Navy Air Station (RNAS) Culdrose vorbei. Die Anlage des Platzes war
gerade so als solche auszumachen, da zogen von links/vorn in geringer Höhe zwei BEA Hawk über uns hinweg.
Gefolgt von einer Formation bestehend aus 9 Helikoptern (3x Merlin, und 6x Seaking), lösten auf und kamen
zur Landung. Donnerwetter, was war das denn? Dann fiel mir das Schild wieder ein. Es handelte sich wahrscheinlich
um einen Teil des Flying Displays an besagtem Airday. Die Fahrtzeit vom Ferienhaus war gar nicht so lang (ca. 1h)
und so reifte der Entschluss, den Termin wahrzunehmen.
Das Wetter wurde in den kommenden zwei Tagen bis
zur Show immer englischer und verschlechterte sich an besagtem 20 Juli noch weiter. Kein Grund zur Aufgabe.
Ich fuhr hin, nicht ohne mir vorher noch eine Regenjacke gekauft zu haben. Die Zufahrt gestaltete sich eher
unspäktakulär. Am Eingang wurde man durch eine ausgediente Seahawk als Gateguard begrüßt. Ihr etwas verwittertes
Aussehen passte gut zum Nieselregen, der nicht zu enden schien. Während des kurzen Fußmarsches vom Parkplatz zum
eigentlichen Geschehen landeten 2 Tornados - aha der Platz läßt also noch Flugbewegungen zu, die Hoffnung stirbt
zuletzt.
Das Vorfeld glich einem riesigen Volksfest, Karuselle, Imbißbuden, Getränkewagen gemischt mit
Austellungflächen für allerlei Fluggerät. Von Ferne stach schon der ganze Stolz (ehemalige müsste man wohl besser sagen)
der Navy ins Auge - Sea-Harrier!
Es hatte schon etwas Trauriges und auch etwas Trotziges, wie sie da so sauber aufgereiht standen, und dennoch nie
wieder Luft unter ihre Schwingen bekommen werden. Ein anderer Teil war dem aktuellen Fluggerät der Royal
Navy vorbehalten, wie zum Beispiel zwei verschiedene Varianten des Westland Seaking, Agusta/Wesland Merlin, Westland Lynx,
nur um die wichtigsten zu
nennen. Personal stand bereit und gab bereitwillig Auskunft. Diverse Ausbildungseinheiten waren mit Flächenflugzeugen
in Groß und Klein vertreten. Ein Segelfliegerclub hatte ebenfalls aufgebaut und präsentierte voller Stolz seinen Flugzeugpark.
Im linken Knie fing es dann schon an etwas nostalgisch zu reißen, als ich einen SZD-50 "Puchacz" entdeckte. Auf dem Flieger
habe ich vor vielen Jahren mal das Fliegen gelernt.
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Neben den Außenflächen, waren drei Hangars für den Publikumsverkehr hergerichtet. Da ich mittlerweile recht
durchgefroren war, wenn auch dank Regenjacke trocken, stürzte ich mich ins sprichwörtliche Getümmel. Es ist
schon beachtlich, dass sich trotz des miesen Wetters so viele Leute auf den Weg zur Airstation gemacht haben.
Auch in den Hangars war es wieder die Mischung, die mich faszinierte. Neben einem Stand, der Pilotenausrüstung
thematisierte, an dem sich zwei Uniformierte bemühten sehr freundlich das Ausgestellte zu erklären, fand sich
ein Stand, an dem man lokale Töpferware kaufen konnte. Auf der anderen Seite wurden Süßigkeiten feil geboten.
So nimmt es wenig Wunder, das sich auch irgendwo ein wenig Modellbau fand, in Gestalt der IPMS West-Cornwall.
Schwerpunkt bildeten auch hier Fluggerät der Royal Navy. Und es zeigte sich wiedereinmal, wie vernarrt
die Freunde von der Insel in Airfix-Kits sind. Man möchte meinen, Airfix steht hier als Synonym für Plastikmodellbau.
Beachtlich fand ich, das im abgesperrten hinteren Teil eines Hangars fleißig an Hawks geschraubt wurde, so als wäre
hier gar keine Veranstaltung.
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Wieder einigermaßen durchgewärmt machte ich mich auf den Weg zur Absperrlinie für das Flying Display. Die Wolken
hingen verdammt tief. Sogar einigen Möwen schien es wohl sicherer, zu Fuß zugehen. Aber eigentlich ist hier nach
einem gängigen Klischee immer so ein Wetter, also werden die das schon irgendwie hinbekommen mit dem Fliegen. Der Sprecher
kündigte inzwischen halbstündlich an, das es in einer halben Stunde evtl. losgehen wird, gespickt mit den Highlights,
die zu erwarten waren, angefangen vom großen "Opening" mit Vertretern aller ortsansäßigen Fluggeräte (das war es also,
was ich drei Tage vorher gesehen hatte), über den RAF Memorial Flight (Lancaster, Spitfire, Hurricane) bis hin zu den
Red Arrows. Da wurde der Funken Hoffnung dann doch etwas heller. Gegen 14 Uhr tat sich dann tatsächlich etwas. Drei
Merlins und drei Seakings bauten sich auf der Runway auf, hoben ab, drehten Richtung Zuschauer, setzten wieder auf
und rollten zurück zur Parkposition. Mh, ein Anfang war gemacht, wenn auch etwas anders als gedacht.
Eine Stunde später ging
es dann richtig los. Zunächst wurden die Fähigkeiten der Seakings demonstriert. Erst zeigte ein Heli in der UAW-Version
(großes Radom), immer an der Wolkendecke entlangkratzend, einige horizontale Flugfiguren, danach wurde mit einer
SAR-Maschine die Aufnahme eines Havaristen gezeigt. Für die Außenlast-Demo
benutzte man eine Kuh-Attrappe, englischer Humor eben.
Inzwischen besserte sich das Wetter etwas, der Nieselregen wurde
merklich schwächer und die Wolkenuntergrenze hob sich etwas. Als nächstes wurde eine PBY Catalina im Flug vorgeführt.
Das Wetter, die Maschine - es hatte etwas von Nordatlantik 1944. Farbenfroher wurde
es im Anschluß mit Wingwalkern vom Breitling-Team. Nach deren Landung wurde eine F-15E aus Lakenheath angekündigt, die auch
zweimal in geschätzten 100m Höhe den Platz überflog, jeweils am Ende der Bahn den Nachbrenner zündete und kaum das sich
die Nase etwas hob auch schon in den Wolken verschwunden war, was natürlich jedwede weitere Vorführung unsinnig machte.
Dann kam der eigentliche Höhepunkt des Tages. "Die Black Cats", das Helicopter Display Team der Royal Navy welche mit zwei Westland Lynx zeigte, was man
mit einem oder besser mit zwei Hubschraubern alles anstellen kann. Ich wollte schon immer mal so eine Demonstration sehen
und wurde nicht enttäuscht. Die Dynamik und Beweglichkeit dieser
eher kleinen Helikopter unterstützte in sehr positiver Weise die Quirligkeit der Vorführung.
Der nächste Programmpunkt
wurde wieder einem historischen Fluggerät gewidmet. Aus Sicht der Briten, sicher eines der wertvollsten Muster,
das je in der Royal Navy Dienst tat - Fairey Swordfish. Wolkenuntergrenze und Seitenwind waren den Verantwortlichen
wohl ein zu großes Risiko für eine Flugvorführung. So blieb es bei einem Vorbeirollen auf der
Runway mit zackigem militärischen Gruß. Wie beeinträchtigend der Seitenwind war, konnte man an der folgenden Darbietung
erahnen. Ein Stuntteam turnte mit einer Piper Cup die Runway hoch und runter, Geradeausfliegen war dem Piloten offenbar
nie gezeigt worden. Der entscheidende Programmteil, Landung auf einem fahrenden PKW-Anhänger wurde nach dem
dritten erfolglosen Versuch abgebrochen. Man konnte gut erkennen, wie es die Maschine beim Aufsetzen immer seitlich
vom Hänger schob. Die Geschichte, die während der ganzen Zeit erzählt wurde war sehr amüsant. Demnach handelte es
sich um den ältesten Piloten der Welt, dessen Lebenslauf so manche Sonderlichkeiten aufwies.
Im Anschluß sollte noch eine Formation aus vier Kleinstflugzeugen vorgeführt werden. Nachdem sie sich auf der
Startbahn aufgereiht hatten wurde aber auch diese Vorführung aus Sicherheitsgründen gestrichen.
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Inzwischen war es 17.00Uhr und der Sprecher verkündete das Ende der Veranstaltung, also auf zum Auto - ich habe die
Sitzheizung noch nie so genossen wie an diesem Nachmittag. Nach ca. 1 Stunde war ich vom Gelände der Airstation
runter. Enttäuscht war ich trotz der vielen nicht gesehenen Dinge in keinster Weise. Wahrscheinlich wäre es anders,
wenn ich speziell für diese Veranstaltung aus Deutschland angereist wäre.
Es war aller Ehren wert, was man trotz der Bedingungen den Zuschauern geboten hat. Der Airday in Culdrose findet
offenbar jährlich statt, sollte also jemand im Juli in dieser Gegend unterwegs sein, mal nach Schildern am
Straßenrand Ausschau halten und nicht vom Wetter verückt machen lassen, da geht immer was.
p.s. In England scheint selbst das Wetter diesen typischen schwarzen Humor zu haben. Genau einen
Tag später präsentierte es sich in bester Verfassung, strahlend blauer Himmel und bis zu 25°C.
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