Der letzte Flug der Breguet Atlantic Br. 1150, 61+05 ASW (Anti Submarine Warfare)
2006

Bericht und Fotos von Bernhard Pethe

Als ich Anfang Mai erfuhr, das sich das Luftfahrtmuseum Rechlin- Lärz für eine der zur Verschrottung anstehenden Marine Aufklärungsflugzeuge bewarb, wollte ich erst nicht glauben. Auf der anderen Seite drückte ich den rührigen Leuten um Thomas Dimigen die Daumen, das ihr Coup gelingen mag. Die Verhandlungen waren gerade in einer entscheidenden Phase, also musste erst einmal Stillschweigen gewahrt werden. 
Eine Woche vor der ILA in Berlin war dann alles in Sack und Tüten und erste Einzelheiten waren zu erfahren. 
Geplant war die Überführung am 21. Mai, dem letzten Tag der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin. Zwei Atlantic des Marineflieger Geschwaders 3 sollten von Nordholz aus ein Display in Berlin fliegen. Das Wetter war an diesem Sonntagmorgen denkbar schlecht, dies konnte aber die mit allen Wassern gewaschenen Marineflieger nicht abhalten, ihr Programm pünktlich um 10:30 durchzuführen. Gemeinsam mit einer Do-24 ATT machten sie ein paar Überflüge und verabschiedeten sich vor einem großen Publikum. 
Das bei Dornier gebaute Marine- Aufklärungsflugzeug steht vor der Ausmusterung. Es war über 40 Jahre bei der Bundesmarine im Einsatz und erfüllte weltweit, zuverlässig seinen Dienst. 
Gespanntes Warten am Flugplatz in Lärz. Regen und tiefhängende Wolken zogen über die Müritz. Am Boden war für einen gebührenden Empfang alles vorbereitet, jetzt lag es nur noch am Wetter.
Letzte Absprachen zwischen Flugleitung und Museumspersonal wurden getroffen. 
Dann war es soweit. Im Westen des Platzes zogen die zwei schlanken Silhouetten der Br. 1150 dahin. Nach einer großen Linkskurve flogen die beiden Maschinen den Platz an. Verfolgt wurde das ganze Geschehen von ein paar hundert Schaulustigen, die trotz dem schlechten Wetter gekommen waren. 
Als erstes kam die 61+11 zur Landung und wurde fachmännisch auf ihre Parkposition gewunken. Kaum waren die ersten Hände geschüttelt, kam die 61+05 ein zweites mal über den Platz. Sie hatte noch etwas Kraftstoff an Bord, der für ihren neuen Lebensabschnitt nicht mehr benötigt wird. 
Also kreiste sie noch ein paar mal über dem Flugplatz, als ob sie ihren letzten Liegeplatz aus der Luft noch schnell kennen lernen und die letzten Flugminuten ihres Daseins noch einmal voll auskosten wollte. Zwischenzeitlich hatte es aufgehört zu regnen,
Dann war der Moment gekommen, die Fahrwerke berührten den Boden, nun für immer. Ein letztes mal rollte sie an ihrem Schwesterflugzeug vorbei zu ihren vorgesehenen Abstellplatz. Die Triebwerke waren gerade verstummt, als auch schon die anwesenden Leute Besitz von „Ihrem“ Flugzeug ergriffen. 
Als letzter verließ der stellvertretende Kommodore, Fregattenkapitän Mache das Flugzeug. Herzlich begrüßt durch die Initiatoren des Museums, dem Landrat und dem Bürgermeister, wechselten Geschenke und eine große Marzipantorte ihre Besitzer. Im Festzelt gab es ein kleines Büfett zur Stärkung und ein Gläschen Sekt zum Anstoßen. Derweil wurde die 05 von Technikern mit Sicherungen und Bindverschlüssen versehen. Ein letztes Handanlegen an einen treuen Freund. 
Viertel nach Eins wurden dann die Besatzungen der beiden Flugzeuge verabschiedet, ein letztes Winken und die 61+11 verschwand im Tiefflug zu ihrer Homebase. 
Nun steht eine Breguet Br. 1150 als neues Wahrzeichen am Luftfahrtmuseum in Lärz und es ist der Initiative von einer handvoll Luftfahrtenthusiasten zu verdanken, das ihr der Weg in die Schrottpresse erspart geblieben ist. 

 

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