E-day 2026
Czech Model Masters Mezinárodní výstava plastikových modelu
Zahrada Cech area Litomerice, 27./28.06.2026

Text und Bilder Thomas Geier


Nach drei Jahren Abstinenz kam bei mir auch mal wieder der Wunsch auf, internationale Eindrücke zu sammeln und etwas über den regionalen Hobby-Tellerrand schauen. Auch wenn regionale Kollegen deutlich aufwändigere Trips (Mosonmagyaróvár, Eindhoven) umsetzen, war Tschechien und da speziell der E-day meine bevorzugte Destination.

Unabhängig von ohnehin zu investierender Lebenszeit ist es aktuell wirtschaftlich schwerer darzustellen, knappe 1.000 Entfernungskilometer und zwei Übernachtungen einfach so mal kurz für’s Hobby einzusetzen. Aber zur Sehnsucht kam die Neugierde zu sehen, was (da auch wir uns in diesen drei Jahren weiterentwickelt haben) aus Organisation und Abläufen des E-day geworden ist.

Die Digitalisierung in der Wettbewerbsverwaltung nahm weiteren Raum ein. So bekam man mit seiner vorzunehmenden online-Registrierung einen individuellen QR-Code, der – diesen beim Einlass vorgezeigt - freien Zugang und die Unterlagen zur Wettbewerbsteilnahme ergab. Es waren aufgrund der Meldenummern wahrscheinlich 600+ Anmeldungen. Aber es gab auf den Ausstellungstischen breite Lücken, so dass ich mutmaße, dass witterungsbedingt nicht alle registrierten Ausstellen und deren Modelle erschienen sind. Der Schwerpunkt ist schon noch im 1/72er Maßstab, aber mittlerweile halten sich Flugzeug und Fahrzeuge die Waage. 1/48 und 1/32 haben bei den Flugzeugen weiter zugenommen, was aufgrund der Entwicklungs- und Produktionsschwerpunkte von Eduard nicht weiter verwundert.

Wettbewerbsteilnehmer können nach wie vor kostenfrei die Veranstaltung besuchen und konnten zum Ende als Dankeschön zwischen einer der beiden 1/72er-S-199-Weekend-Bausätzen entscheiden.

Bei den Giveaways wurde aber deutlich, dass auch bei Eduard nicht außerhalb der wirtschaftlichen Restriktionen gehandelt werden kann. Das spürten heuer die Bunny Fighter Club Mitglieder. Konnten diese in den Jahren zuvor noch unentgeltlich (qua Mitgliedschaft) den E-day besuchen, so mussten sie jetzt den Regulären Erwachsenen-Eintrittspreis von etwa 8,-€ bezahlen. Dafür konnten Sie sich aber eine Variante der 1/48er Bausatzreihe der Z-526 AFS Akrobat aussuchen. Die „einfachen“ Besucher erhielten stattdessen eine 1/144er MiG-21 MF, wodurch den BFC-Mitgliedern doch noch ein gewisser Mehrwert verblieb.

Die fortschreitende Vernetzung der Vereine bzw. Modellbauevent-Veranstalter zeigte sich auch sehr deutlich am sog. „MN-modelar GT CUP 2026“. Dort sammeln kompetitive Modellbauer Punkte auf jeder Ausstellung mit Wettbewerb. Diese Punkte werden zum Saisonende saldiert und prämiert. Es nehmen mehrere osteuropäische Länder, Italien und Deutschland (PMS Sachsen) an diesem Modellbau-Grand Slam teil. Geniale Idee, mal schauen, wie sich das in Zukunft etabliert ggf. auf die militärischen Bereiche ausdehnt.

Auch wenn die um die 40°C betragenden Außentemperaturen in den schattigen Bereichen des regulär für die böhmische Gartenbauausstellung genutzten Areals recht brauchbar auszuhalten waren, die von Eduard organisierte Abkühlung (Löschfahrzeug der örtlichen Feuerwehr, das von den Hauptwegen die Besucher „goss“) wurde begeistert angenommen. Mir zwang sich dabei ein Vergleich mit den Sprengwagen der 70er/80er Jahre in der DDR auf, mit denen im Sommer in ähnlicher Form der Asphalt gekühlt wurde.

Die beim E-day schon üblichen Militaria-Fans/Cosplayer wurden in diesem Jahr durch Komparsen des brandneuen TV-Films „Osamelý vlk“ („Einsamer Wolf“, Leben von Josef František, der als tschechischer Freiwilliger in der 303. (poln.) Staffel der RAF kämpfte) verstärkt. Diese Umgebung, die über das übliche Maß des Umfangs eines (zudem deutlich häufiger als in Deutschland anzutreffenden) tschechischen Wettbewerbs hinausging, zeigt auf, welchen Event-Charakter eigentlich hat.

Natürlich hat Eduard und alle anderen Hersteller/Händler den E-day zum Verkauf der aktuellen Bestände genutzt. Auch wenn sich das Lohnniveau langsam annähert bzw. das Lohngefälle durch niedrigere Lebenshaltungskosten kompensiert wird - es fasziniert mich dabei jedes Mal, was für Stapel die tschechischen Kollegen Samstagvormittag in ihre Autos schaffen. Denn ab 16:00 Uhr und am Sonntagvormittag sieht man dann deutlich geleerte Stände, wo z. T. Tische und Regale entfernt werden, um mehr Platz zum Stöbern zu schaffen.

Die Faszination erfasst aber auch den generellen Umgang mit dem Modellbau in unserem Nachbarland. Die Gucci-tragende Dreißigjährige, die mit straßbesetztem iPhone die Wettbewerbsmodelle fotografiert ist ja schon fast „gewohntes Bild“. Was mich dieses Jahr deutlich abgeholt hat ist die Nachwuchsarbeit. Kinder konnten Ihren „Eintrittsbausatz“ vor Ort zusammenbauen. Jeder Arbeitsplatz hatte eine Bastelleuchte, Airbrush und Lupenbrille. Es wurde mit Gunze SP Black geklebt und mit Gunze C-Farben lackiert. Das wäre in Deutschland absolut undenkbar. Und die Kids haben da absolut selbständig und hochwertig gearbeitet. Und nur so schafft man die nächste Generation Modellbauer!

Jedenfalls haben Uli, Mario, Steffen und ich den Trip trotz der absolut bulligen Temperaturen und der Unterkunft in einem ehemaligen Priesterseminar nicht bereut. Essen und Bier waren preiswert und lecker, und trotz Sprachbarriere konnte man sich vieles erschließen und so jede Menge Eindrücke gewinnen.

Es wird gelegentlich wiederholt werden!

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